Prof. Dr. Jürgen Wacker plädiert für ein modernes Einwanderungsrecht

Veranstaltung „Angst schadet – Mut stärkt“ zur Flüchtlingsaufnahme

BadSchönborn1Auf Einladung der Bad Schönborner Koordinierungsstelle Familienzentrum und der örtlichen Integrationsbeauftragten sprach Prof. Dr. Jürgen Wacker Ende Oktober 2015 auf einer Veranstaltung in der Aula der Michael-Ende-Schule zum Thema „Angst schadet – Mut stärkt“, bei der er sich vor allem mit der Flüchtlingsaufnahme beschäftigte. An der Veranstaltung beteiligten sich auch Christiane Bös (r.) und Claudia Maciejewski (2.v.l.) vom Familienzentrum Bad Schönborn und die evangelische Pfarrerin Gudrun Luise Helm. (Foto: Christian Jung)

Bad Schönborn. Für ein „modernes und geordnetes“ Einwanderungsrecht hat sich der Chefarzt der Bruchsaler Frauenklinik Prof. Dr. Jürgen Wacker bei einer Veranstaltung in Bad Schönborn ausgesprochen. Der frühere Entwicklungshelfer sprach Ende Oktober 2015 auf Einladung der Bad Schönborner Koordinierungsstelle Familienzentrum und der örtlichen Integrationsbeauftragten zum Thema „Angst schadet – Mut stärkt. Flucht und Vertreibung – (k)ein Grund für Angst“ in der Aula der Michael-Ende-Gemeinschaftsschule. Dabei konnten die Organisatorinnen auch die evangelische Pfarrerin Gudrun Luise Helm begrüßen, die sich in der Gemeinde und darüber hinaus sehr stark in der Flüchtlingsaufnahme engagiert.

„Um es deutlich zu sagen. Wir brauchen ein modernes und geordnetes Einwanderungsrecht, damit besonders qualifizierte Menschen die Möglichkeit haben, sich direkt bei den deutschen Botschaften für ein Visum zu bewerben“, sagte Jürgen Wacker bei seinem Vortrag. In diesem berichtete der Vorsitzende des Vereins „Menschen für Frauen“ nicht nur über seine frühere Tätigkeit als Entwicklungshelfer und Gynäkologe in Afrika und Burkina Faso, sondern ebenso über die Situation in den Flüchtlingsunterkünften im Landkreis Karlsruhe. Wacker will das Asylrecht als wichtige Säule des Grundgesetzes beibehalten.

„Wir dürfen aber nicht verschweigen, dass das Asylrecht für die meisten der zurzeit zu uns kommenden Flüchtlinge keine Möglichkeit darstellen wird, mittel- und langfristig in Deutschland oder der Europäischen Union zu bleiben. Deshalb brauchen wir das Einwanderungsrecht und müssen Wirtschaftsflüchtlingen offen sagen, dass es bei uns auch zur Bewahrung des sozialen Friedens keine Perspektive gibt“, sagte Wacker. Für Menschen aus den sicheren Balkanstaaten sei das Einwanderungsrecht besser als aussichtlose Asylanträge. Er selbst bilde immer wieder qualifizierte Mediziner aus Afrika in Bruchsal und Heidelberg aus, wenn „diese bereit sind, ihr Wissen später wieder in ihrer afrikanischen Heimat anzuwenden, da sie dort dringender denn je gebraucht“ würden.

„Wir müssen solche Debatten mutig und entschlossen führen und dürfen diese nicht Extremisten überlassen. Die Weimarer Republik hat uns alle gelehrt, dass die Demokraten handeln müssen und die politische Auseinandersetzung nicht den Rechten oder Linken überlassen werden darf“, sagte Wacker weiter. Im Landkreis Bruchsal würden in diesem Jahr bis zu 4800 Menschen aufgenommen werden, in Bruchsal bis zu 1000 und in Bad Schönborn um die 200 Menschen. „Besonders beeindruckt hat mich, dass es nach einer Informationsveranstaltung zur Aufnahme von Flüchtlingen in Heidelsheim vor einigen Tagen spontan 100 Menschen gab, die sich zusätzlich als ehrenamtliche Helfer gemeldet haben. Auf diese Menschen müssen wir stolz sein und müssen geistige Brandstifter, die unsere Gesellschaft vergiften offen bekämpfen“, betonte Wacker weiter. Zu den Wahrheiten gehöre in diesem Zusammenhang, dass nach Erkenntnissen der Polizei es „keine nennenswerte Kriminalität durch Flüchtlinge und Asylsuchende in Bruchsal und Umgebung“ gebe. Dies könne er auch selbst bestätigen, da er seit zwei Jahren in der Bruchsaler Fürst-Stirum-Klinik eine Migrantensprechstunde organisiere.

„Wer als Flüchtling in Deutschland aber wiederholt straffällig wird, muss sofort ohne Wenn und Aber abgeschoben werden, da dadurch das Image und Ansehen der anständigen zu uns kommenden Menschen beschädigt wird. Leider haben sich viele Verantwortliche in Politik und Verwaltung abgewöhnt, geltendes Recht auch konsequent anzuwenden“, sagte Wacker weiter und nannte explizit den Fall eines 19-jährigen Asylbewerbers aus Landkreis, der sich vor Gericht wegen Körperverletzung zu verantworten hatte. Durch einen Bericht der BNN sei herausgekommen, dass der junge Mann offenbar schon zahlreiche Vordelikte in verschiedenen Bereichen verübt hatte.

„Kein Asyl für Diebe und Kriminelle!“, unterstrich Jürgen Wacker deshalb und warnte vor einem „ziellosen Helfen“ in der aktuellen Flüchtlingskrise. „Für mich gibt es eine unangenehme Wahrheit: Als Entwicklungshelfer haben wir gelernt, dass wir nicht alle Probleme lösen können und es auch Obergrenzen bei der Aufnahme von Menschen gibt. Dies gilt aktuell auch für Deutschland“, äußerte Wacker abschließend. Kontraproduktiv sei in diesem Zusammenhang eine gerade erschienene Broschüre der baden-württembergischen Landesregierung, die Tipps enthalte, wie man sich einer Ausweisung oder Abschiebung aus Deutschland entziehen könne.